Projekte
Digitale Beschwerdemöglichkeit für Kinder und Jugendliche in Erziehungsstellen der Stiftung Leuchtfeuer
Stiftung Leuchtfeuer
Projektbeschreibung
Kinder und Jugendliche, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben können, befinden sich in einer besonderen Lebenssituation. Sie haben Brüche erlebt, Übergänge bewältigt und müssen sich in neuen Strukturen orientieren. Gleichzeitig sind sie in einem System untergebracht, das von Erwachsenen gestaltet und verantwortet wird. Gerade deshalb ist es entscheidend, dass ihre Stimme gehört wird. Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten sind nicht nur organisatorische Instrumente – sie sind Ausdruck von Respekt, Schutz und demokratischer Haltung. Wenn ein Kind sagt: „Das fühlt sich für mich nicht richtig an“, dann ist das kein Störfaktor, sondern ein wertvoller Hinweis. Ein funktionierendes Beschwerdesystem schützt Kinder vor Übergriffen, stärkt ihr Selbstwirksamkeitserleben und verbessert kontinuierlich die Qualität der Hilfe. Doch Beschwerdewege müssen erreichbar sein. Sie müssen verständlich sein. Und sie müssen sich sicher anfühlen. Viele Kinder und Jugendliche kommunizieren heute selbstverständlich digital. Eine digitale Beschwerdemöglichkeit kann daher eine zusätzliche, niedrigschwellige Form sein, um Sorgen, Kritik oder Hilfebedarf mitzuteilen – insbesondere dann, wenn es schwerfällt, persönlich darüber zu sprechen. Ziel dieses Projektes ist es, eine solche digitale Möglichkeit zu durchdenken: Wie kann sie gestaltet sein, damit Kinder sie wirklich nutzen? Wie kann sie Vertrauen schaffen? Wie kann sie Schutz gewährleisten – ohne Beziehung zu ersetzen? 1. Hintergrund Die Stiftung Leuchtfeuer begleitet bundesweit Kinder und Jugendliche, die nicht in ihrer Herkunftsfamilie leben können und im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe in sogenannten Erziehungsstellen (die Bezeichnung variiert in den Bundesländern: z.B. sozialpädagogische Lebensgemeinschaften, Erziehungsfachstellen) untergebracht sind. Eine Erziehungsstelle ist eine besondere Form der Unterbringung: Ein Kind lebt langfristig in einer qualifizierten Familie, die es im Alltag betreut. Diese Familien arbeiten eng mit pädagogischen Fachkräften (KoordinatorInnen) der Stiftung zusammen. Die Stiftung ist an mehreren Standorten in Deutschland vertreten. Jeder Standort betreut bestimmte Kinder und Erziehungsstellen. 2. Lebenssituation der Kinder Die Kinder und Jugendlichen: • haben belastende biografische Erfahrungen • bringen unterschiedliche emotionale und soziale Herausforderungen mit • leben nicht bei ihren leiblichen Eltern • haben Anspruch auf Schutz, Beteiligung und Mitbestimmung Die Stiftung legt großen Wert darauf, dass die Kinder: • ihre Rechte kennen • sich beteiligen können • Kritik äußern dürfen • sich sicher beschweren können, wenn sie sich ungerecht behandelt oder unwohl fühlen 3. Warum ein Beschwerdesystem wichtig ist Kinder in betreuten Wohnformen befinden sich in einem Abhängigkeitsverhältnis zu Erwachsenen. Deshalb brauchen sie besonders verlässliche und sichere Wege, um: • Probleme anzusprechen • Missstände zu melden • Sorgen zu äußern • auf Grenzverletzungen hinzuweisen • sich Hilfe zu holen Ein funktionierendes Beschwerdesystem dient: • dem Schutz der Kinder • der Qualitätssicherung • der Stärkung von Beteiligungsrechten • der demokratischen Bildung Anders als bei betreuten Wohnformen in Gruppen nach § 34 SGB VIII besteht in unseren familienanalogen Settings eher das Risiko, dass ein geschlossenes System entsteht. In den Wohngruppen wird dies dadurch geöffnet, dass mehrere Fachkräfte im Gruppendienst tätig sind und ggf. Missstände aufdecken können. Hinzu kommt, dass Kinder und Jugendliche in Wohngruppen sich untereinander austauschen und Rat holen sowie gemeinsam aktiv werden können. In Erziehungsstellen hingegen ist sehr häufig nur ein Kind untergebracht und es ist schwieriger, sich mit anderen Kindern und Jugendlichen in ähnlichen Lebenssituationen zu vernetzen. In unseren Settings hat die Koordination die Aufgabe, das System zu öffnen und die Qualität sowie das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen sicherzustellen. 4. Aktuelle Situation Derzeit gibt es analoge Wege zur Beschwerde (z. B. Brief, Beschwerdebox, Gespräche mit KoordinatorInnen, Gespräche mit der Standortleitung, die insoweit erfahrene Fachkraft eines anderen Standortes kann direkt angesprochen oder angeschrieben werden, externe Ansprechpartner). Diese Wege sind wichtig, erreichen jedoch nicht immer alle Kinder gleichermaßen. 5. Ziel des Projekts Ziel ist die Konzeption einer digitalen, niedrigschwelligen Beschwerdemöglichkeit (z.B. App oder Webanwendung), die: • für Kinder und Jugendliche einfach nutzbar ist • altersgerecht gestaltet ist • Vertrauen schafft • bundesweit einsetzbar ist • datenschutzsensibel funktioniert • pädagogisch verantwortungsvoll eingebunden ist Die Lösung soll das bestehende System ergänzen, nicht ersetzen. 6. Zentrale Fragestellungen • Wie muss eine digitale Anwendung gestaltet sein, damit Kinder und Jugendliche sie tatsächlich nutzen? • Wie kann eine Plattform so gestaltet werden, dass sie niedrigschwellig und sicher wirkt? • Wie kann man unterschiedliche Altersgruppen berücksichtigen (0-18/19)? • Wie kann man sehr junge Kinder einbeziehen, die weder lesen noch schreiben können? • Wie kann eine bundesweite Struktur mit mehreren Standorten berücksichtigt werden? • Wie kann sichergestellt werden, dass Beschwerden von pädagogisch qualifizierten Personen gelesen und bearbeitet werden? • Welche Rolle kann technische Unterstützung (z. B. KI) spielen – ohne die pädagogische Verantwortung zu ersetzen? 7. Besondere Rahmenbedingungen • Es gibt mehrere Standorte in Deutschland. • Nicht jede Fachkraft kennt alle Kinder. • Der Datenschutz ist besonders sensibel. • In Notfällen muss schnell reagiert werden können. • Die Lösung darf persönliche Beziehungen nicht ersetzen. • Die Plattform soll Vertrauen stärken, nicht Kontrolle ausüben. 8. Was die Kinder brauchen Die digitale Lösung sollte: • einfach verständlich sein • wenig Text enthalten • visuell ansprechend sein • ernsthaft, aber nicht bürokratisch wirken • auch ohne Schreibfähigkeit nutzbar sein (z. B. Symbole, Audio) • transparent machen, was mit einer Beschwerde passiert • Sicherheit vermitteln • So attraktiv sein, dass die Kinder und Jugendlichen sie unabhängig von Beschwerden „auf dem Schirm haben“ (vielleicht keine reine Beschwerde-App sondern so etwas wie „Mein Leuchtfeuer“ mit weiteren Funktionen)
Wirkungsaussage
Projektdetails
Standort
Köln
Zeitplan
Flexibel
Zeitaufwand insgesamt
Flexibel
Teamgröße
Medium team (6-10 people)
Kategorie
web-softwareentwicklung
Universitätsmentoring
Verfügbar
Verfügbar in:
